BAI #011

Tragendes Element der indischen Kultur und des indischen Lebens ist das Kastensystem, das – obwohl offiziell seit der Unabhängigkeit abgeschafft – bis heute maßgeblichen Einfluss auf das Leben der Inder nimmt. Das Kastensystem findet sich nicht nur im Hinduismus wieder, sondern auch bei indischen Muslimen und Christen.

Das hinduistische Kastensystem kennt vier sogenannte „Varnas“ als Hauptgruppen (Brahmanen – Priester, Gelehrte; Kshatriya – Könige, Beamte; Vaishia – Landwirte, Händler; Shudra – Knechte, Dienstleister). Innerhalb der Varnas befinden sich hunderte von „Jatis“, die den eigentlichen Stand festlegen. In eine Jati wird man geboren und in seiner Jati verbleibt man bis zum Lebensende.

Den untersten Jatis wird seit der Unabhängigkeit bei der Besetzung von öffentlichen Ämtern eine Quote eingeräumt.

Die Stellung im Kastensystem hat insbesondere im historischen Kontext maßgeblichen Einfluss auf die Lebensweise des Einzelnen, da der Kontakt, z.B. das gemeinsame Einnehmen eines Essens mit einem Niederkastigen, für den Höherkastigen als verunreinigend empfunden wird. Bei einer Heirat zwischen den Kasten steigt der höhergestellte Partner üblicherweise auf den Rang des niedriger gestellten Partners ab.

Um den gesellschaftlichen Status zu halten ist es daher bis heute sehr verbreitet, anstelle einer Liebesheirat eine arrangierte Heirat durchzuführen.

14.9.2007 – BAI #011


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